Jingdezhen hat ein feuchtes, subtropisches Klima, welches vom Ostasiatischen Monsun beeinflusst wird, mit langen, sehr heißen Sommern und hoher Luftfeuchtigkeit.
Es ist Mitte August 2017, und das Wetter genauso wie beschrieben. Mein Weg von der Skulpturenfabrik zu meinem Hotel führt mich regelmäßig durch ein Gelände mit verlassenen und heruntergekommenen Fabrikhallen.
Als Deng Xiaoping an die Macht kam, lancierte er in der 1980er Jahren eine Reihe von Wirtschaftsreformen, welche das Fundament für Chinas Übergang von einer sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung“ legten“.Viele staatlich betriebene Fabriken wurden geschlossen, darunter auch diese Porzellanflaschen-Fabrik.
An diesem schwül-heißen Tag im August bin ich ausgerüstet mit einer Hasselblad 501CM, einem Stativ und einer Tasche voller Rollfilme.
Während ich mir den Weg in die notdürftig verrammelte Fabrik bahne, drängt sich der Gedanke auf, in einer Zeitkapsel gelandet zu sein: Es sieht aus, als hätten die Arbeiter ihre Arbeitsstätten von einer Minute auf die nächste verlassen. Die Zeit und die Feuchtigkeit haben ihre Spuren hinterlassen. Der Schimmel hat an den Wänden samtige, grüne Teppiche ausgebildet. Die Gussformen für die Porzellanflaschen stapeln sich an den mit Farnen bewachsenen Ziegelsteinmauern. Die große Werkshalle ist unter dem löchrigen Dach mit Plastikplanen überspannt; man fragt sich, ob das eine nachträgliche Sicherungsmaßnahme bedeutet oder zu welchem anderen Zweck sie wohl installiert wurden?
Der Boden, stellenweise ein einziges Meer aus Porzellanflaschen, übersät mit Scherben, Holzkisten und Arbeitsgerätschaften, deren Funktion dem Laien erst einmal rätselhaft erscheint…


























