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Es ist der 25. Mai 2006. Der Frühling beginnt langsam in Hohhot, der Hauptstadt der Inneren Mongolei, Provinz der Volksrepublik China.

Die Sandstürme aus dem Norden, die in den Wintermonaten bis lange in den April hinein die Drei-Millionen-Stadt in der Autonomen Region Mongolei mit einem Schleier aus ockerfarbigen Sand bedecken, haben sich gerade gelegt. Der Sand, der aus der Wüste Gobi heran geweht wird, dringt durch jede Ritze in die Wohnungen und knirscht sogar beim Essen zwischen den Zähnen. Es ist eine besondere Jahreszeit und ein besonderes Jahr für die Mongolische Minderheit. Naadam, das mongolische Nationalfest nähert sich, und im Jahr 2006 ist der 800. Jahrestag des Großmongolischen Reiches unter Dschingis Khan.

Die Provinzhauptstadt Hohhot liegt südlich der Daqing-Berge, welche zum Norden hin in das Yin-Gebirge übergehen. Dahinter liegt die Wüste Gobi. Es ist eine schmucklose Stadt, eine wie viele Provinzstädte in China. In Windeseile hochgezogene Wohnhäuser aus Beton prägen das Stadtbild. Sie sind jedoch nicht ganz so hoch wie in den chinesischen Metropolen Beijing oder Chengdu, man sieht den Himmel – noch –, denn die Stadt wächst rasant.

Während in den Städten gewachsene urbane und soziale Strukturen zerstört werden, werden in ländlichen Gebieten künstliche Unorte aus dem Boden gestampft. Es gibt unzählige sogenannte „Themenparks“ in China, die für den innerchinesischen Tourismus konzipiert sind und die Metropolen der Welt nach China bringen möchten.

Wenn man jedoch mit dem Fahrrad durch die Strassen von Hohhot fährt unterscheidet sich das Strassenbild deutlich von dem anderer chinesischer Städte: die Einflüsse der Mongolischen Ethnie.

Zuallererst fallen die zweisprachigen Strassen- oder Ladenschilder ins Auge, die neben den chinesischen Schriftzeichen, die der tibetisch-uighurischen Schrift verwandten mongolischen Zeichen aufführen. Oder die Tatsache, dass vermehrt Lammgerichte auf dem Menü zu finden sind: Mongolischer Feuertopf, eine Art Fondue auf Basis einer scharf gewürzten Brühe, in welcher hauchdünn geschnittene Scheiben Lammfleisch mit allerhand Gemüse und Nudeln gegart werden. Gegrillte mongolische Lammspieße, viele verschiedene Teigtaschen – Buz, gegrillte Lammrippchen, Hushuur, mit Fleisch gefüllte, frittierte Teigfladen…