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Das männliche Ideal der Mongolen ist noch immer vielerorts an Dschingis Khan ausgerichtet. Auch an diesem Tag ist das zu spüren bei der alljährlichen Ausrichtung der Innermongolischen Ringer-Meisterschaft, ein vorgezogenes Nadaam-Fest, das ausgerichtet wird von der Hochschule der Kultur der Mongolischen Minderheit.

Ein mit braunem Sand ausgeschütteter Sportplatz innerhalb des Campus, durch Fähnchen und Absperrband abgesteckt in Turnierbereiche, um die herum sich die schüchterne Studentenschaft ehrfürchtig hinter dem Absperrband tummelt. Der große Platz ist eingerahmt von braunen Wohnhäusern für Studenten und Lehrerschaft. Man hat eine Tribüne errichtet, auf der die Redner und Laudatoren Platz genommen haben und nun auf ihren Einsatz warten. Das Podium ist von drei Seiten mit roten Schriftbannern geschmückt, welche den feierlichen Anlass der Veranstaltung in weißen Lettern in mongolischer Schrift verkünden.

Dann marschieren die Ringer ein, Helden der mongolischen Tradition. Groß, breitschultrig und muskulös sind sie, traditionell gewandet in die aufwändig bestickten Stoffpumphosen, die Füße in schweren Rindlederstiefeln mit der aufgebogenen Spitze, verziert mit andersfarbigen Lederapplikationen und einer kurzen, massiven, nietenbewehrten Lederweste ausgestattet, die als Schutz dient bei Stürzen. Der Boden ist betonhart.

Im K.O.-System entscheidet sich, wer sich am Ende Gewinner der Innermongolischen Ringermeisterschaften nennen darf. Selbstsicher präsentieren sich die einzelnen Kontrahenten dem Publikum und den Schiedsrichtern. Mit hoch über den Schultern flügelartig ausgebreiteten Armen simulieren sie den Flug des Adlers und unterstreichen diese Bewegung durch eine langsame, wellenartige Auf-Und-Abwärts-Bewegung der Beine. Alles ist aufs Imponieren ausgerichtet.

Als ich in einer Pause zwischen den Runden auf diese Ringer zutrat und sie um ein Portrait bat, bekam mit einem Mal das Bild von den starken und selbstsicheren Kämpfern Risse und mir standen plötzlich verlegene, ein wenig schüchterne Sechzehnjährige gegenüber – die sie tatsächlich waren – Burschen vom Land. Viele von ihnen waren erst ein paar Mal in einer großen Stadt gewesen.

Nach einer Weile fanden sie zu ihrer entspannten Selbstsicherheit zurück.